Mir ist vollkommen bewusst, dass dieser Artikel den Facebook-Diskussionen wieder reichlich Futter bieten wird, aber ich möchte an dieser Stelle dennoch ein paar Gedanken zur gestrigen Demo festhalten.
Seit ich gestern Abend zu Hause angekommen bin, muss ich nahezu pausenlos über das Erlebte nachdenken. Und nicht zuletzt auch über die Reaktionen, die mir von einigen Freunden aus den Facebook-Gruppen zugetragen wurden. Um es auf den Punkt zu bringen: Ich finde es regelrecht erschreckend, wie dort aktuell wieder die Gemüter am überkochen sind und wie Reaktionen insgesamt auf die Demo sowie speziell auf unser Auftreten ausfallen. Es ist überaus erschreckend und macht mich sehr betroffen…
Ich muss gestehen, dass meine letzten beiden Blog-Artikel bewusst provokant waren und ihrerseits ebenfalls die Stimmung stark aufgeheizt haben. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle aufrichtig entschuldigen. Ich sollte es längst besser wissen, dass sich Feuer nicht mit Feuer bekämpfen lässt…
Nun aber zurück zu den gestrigen und heutigen Ereignissen. Beginnen wir mal ganz vorne.
Es war also eine Demo vorgesehen – “gegen sexuellen Missbrauch von Tieren”, so der Titel. Doch eigentlich wollte man dort speziell gegen Zoophilie demonstrieren und eine Gesetzesänderung, genauer gesagt eine Strafbelegung aller sexuellen Mensch-Tier-Kontakte forden. Und das auf der Grundlage der altbekannten Vorurteile (bitte noch nicht vorverurteilen – erst weiterlesen).
Mal ganz nüchtern betrachtet: Es ging also um uns. Und es ging darum, uns zu kriminalisieren. Dass uns das nicht egal ist, sollte doch eigentlich keiner weiteren Erläuterung bedürfen. Und dass wir nicht tatenlos dabei zusehen und die Hände in den Schoß legen wollten, sollte doch ebenso sehr nachvollziehbar sein. Hinzu kommt, dass uns die Organisatorin Frau Ulla Saure auch konkret zur Demo eingeladen hat. Uns wird doch sonst immer vorgeworfen, wir wären feige und würden uns verstecken. So – also sind wir hin.
Und nun waren wir also da. Was genau haben wir vor Ort unternommen? In erster Linie haben wir Präsenz gezeigt. Soll heißen: Wir waren eben da. Was haben wir noch getan? Ein wenig fotografiert und gefilmt. Flyer verteilt. Ansonsten haben wir uns noch ansprechen lassen und vereinzelt auch andere angesprochen und versucht, sachliche, freundliche und vor allen Dingen friedliche Gespräche zu führen. Gedankenaustausch eben. Verstehen und hoffentlich auch verstanden werden. Was kann man mit einer Hand voll Menschen, die bei weitem keine Schlägertypen und auch sonst nicht aggressiv eingestellt sind, schon gegen die geballte Masse erreichen…?
Doch was geschah tatsächlich? Klar, auch wir wurden gefilmt und fotografiert. Das war zu erwarten und ist eigentlich nichts erwähnenswertes. Anders sieht es aber damit aus: Wir waren da – und allein unsere Präsenz sorgte schon für extreme Verunsicherung, Gefühlsausbrüche und sogar Aggression. Dazu mussten wir noch nicht einmal den Mund auftun oder anderweitig handeln. Erschreckend. Natürlich war uns allen klar, dass die Masse angesichts unseres Erscheinen nicht frohlocken würde. Doch andererseits war es niemals unsere Absicht, die Menschen zu solchen Reaktionen zu bringen. Wie heißt es so schön: “Wir kommen in Frieden.” Ich denke, ich muss nicht erst erwähnen, dass ich mich dabei alles andere als wohl fühlte. Ja, wie die Anspielung schon durchscheinen lässt: Man fühlte sich wie ein Außerirdischer…
Was mich ebenfalls sehr betroffen gemacht hat: Es fand sich kaum jemand, der zu einem sachlichen und ruhigen Gespräch mit uns fähig bzw. überhaupt daran interessiert war. Man lehnte uns ab. Allein aus Prinzip. Man hat uns nie kennengelernt, hat sich nie mit uns beschäftigt. Man weiß praktisch gar nichts über uns, außer eben, dass wir uns als zoophil bezeichnen. Und trotzdem maßt man sich an, es um Welten besser zu wissen als wir selbst, wie genau wir ticken und was genau wir mit unseren Tieren tun – ungeachtet der Frage, ob wir tatsächlich etwas mit unseren Tieren tun und ob wir überhaupt Tiere haben. Das heißt, ich will keineswegs abstreiten, dass man bei der Einschätzung seiner selbst oft alles andere als objektiv ist und dass es sogar ausgesprochen schwierig ist, sich selbst in allen Punkten richtig einzuschätzen. Aber kommen wir nun konkret zur Demo: Wir waren da und haben uns gezeigt. Wir hatten sogar unsere Tiere dabei. Man hatte die Möglichkeit, sich konkret real und ungeschminkt mit uns zu beschäftigen, uns zu erleben, auszufragen und und und… Besonders bei David wäre dies lohnenswert gewesen. Ich kenne ihn persönlich und schätze ihn sehr für seinen freundlichen, ehrlichen und aufgeschlossenen Charakter und insbesondere auch die Ruhe und Besonnenheit, die er ausstrahlt. Ohne damit “schleimen” zu wollen: Ich halte ihn für einen ganz besonderen Menschen. Und ich finde seinen liebevollen Umgang mit Tieren ebenfalls wundervoll. Ja, auch seine Dogge habe ich bereits kennengelernt. Auch die ist freundlich und ruhig und keinesfalls auffällig. Dass dieser imposante Hund am gestrigen Tage etwas eingeschüchtert wirkte, finde ich angesichts der großen Menschenmasse, in die er da mitgenommen wurde, alles andere als verwunderlich. Aber ich schweife ab…
Noch mal: Man hatte die Chance, uns persönlich und nicht nur durch das verzerrende Medium “Internet” kennenzulernen und auch unsere Tiere genauer anzusehen und ihren Zustand zu beurteilen. Doch wurde diese Möglichkeit in angemessenem Maße genutzt? Nein. Viel eher brachte man uns die pure Ablehnung entgegen. Wollte uns wegjagen. Notfalls mit Gewalt. Erschreckend, wie fanatisiert die Masse doch war, dass sie sich lieber auf die Informationen Dritter verließ als die Chance zu nutzen, uns real kennenzulernen und sich eine eigene Meinung zu bilden. Doch ich vergaß, wir Zoophilen lügen ohnehin alle nur wie gedruckt. Und andere wissen es immer 200%-ig besser, wie wir sind und was wir tun… *traurig seufz*
Und da stand man nun. Wenn man uns nicht gerade ausgrenzte, griff man uns verbal und tätlich an – um sich dann später auf Facebook seiner Taten zu brüsten und erhobenen Hauptes schreiben zu können, wie hässlich, degeneriert, dumm, stinkend, schmutzig und sonstwas wir doch wären. Gut, David war ohne Schuhe unterwegs. Na und? Wenn es ihn glücklich macht? Bei mir an der Schule war damals auch ein Junge, der das im Sommer öfters tat und an der Uni kenne ich auch mindestens zwei solche Personen. Was soll daran verwerflich sein? Sie laufen doch noch nicht einmal oben ohne rum – wenn, dann würde ich dies eher noch als anstößlich empfinden, wenn man es denn unbedingt will…
Und gut, Michael ist leider alles andere als der Schlankeste und trägt außerdem noch eine Brille mit recht starken Gläsern. Doch muss er dafür unbedingt selbst etwas können? Und gab es denn nicht auch unter den Demonstranten Personen mit Gehhilfen usw.?
Im Grunde findet man doch im Nachhinein immer etwas zum Lästern. Wenn die Nase des Gegenübers nicht zu lang war, dann war sie eben zu kurz. Wenn wir nicht erschienen wären, hätte man sich eben darüber moquiert, dass wir es nicht sind. Wenn wir unsere Namen und Gesichter preisgeben, werden sie – wie jetzt gerade – auf Facebook verteilt um sich darüber aufzuregen und vor uns zu warnen und wenn wir uns verstecken, gelten wir ebenfalls als feige. Wie mans macht, macht mans falsch… Man darf uns anklagen, doch wir dürfen nicht zurück anklagen…
Und noch mal: Was haben wir schon groß anderes auf der Demo gemacht als einfach nur da zu sein und eventuell mit dem einen oder anderen zu plaudern zu versuchen oder ihm einen Flyer in die Hand zu drücken? Wir hatten keine Plakate dabei. Wir hatten keine Megaphone dabei. Wir waren nicht verkleidet oder sonst auffällig angezogen (mich hat man ja in der Masse noch immer nicht gefunden). Wir haben uns nicht schreiend in die Masse geworfen und aktiv für Unruhe gesorgt. Letztendlich waren es sogar eher wir, die von der Polizei von den aggressiven Demonstrationsteilnehmern geschützt werden mussten, ohne uns nun mit dieser Aussage als Opfer darstellen zu wollen.
Aber halt – wenn wir in diesem Fall nicht Opfer waren, was waren wir dann…?